Bodenabdichtung auf Sansenhecken2014-05-06 | Buchen. Moderne Deponien haben mit den alten „Schuttplätzen“, von  denen es vor der Kreisreform 1972 im Neckar-Odenwald-Kreis fast 200 gab, nichts mehr gemeinsam. In der heutigen Zeit sind dies aufwändige technische Bauwerke mit der Aufgabe, vorhandene Schadstofffraktionen ohne Gefahr für Mensch und Umwelt aus dem Stoffkreislauf auszuschleusen – und zwar auf Dauer.  

Die Kreismülldeponie Sansenhecken ist seit 1983 in Betrieb. Bis 2005 wurde dort neben Bauschutt und Gießereisanden auch Gewerbe- und Hausmüll abgelagert. Seit dem Jahr 2005 dürfen aufgrund geänderter gesetzlicher Vorgaben nur noch mineralische und inerte Abfälle deponiert werden. Haus-, Sperr- und Gewerbemüll werden in großen Einheiten zu externen Entsorgungseinrichtungen, das sind sowohl Sortier- als auch Verbrennungsanlagen, transportiert. Aus Umweltschutzgründen wurde damals die Einlagerung von organischen Material auf Deponien verboten: Bei der anaeroben (ohne Sauerstoff) Vergärung von organischem Material, also z. B. Küchenabfälle, entsteht Methangas, das um den Faktor 21 klimaschädlicher ist als CO2. Dies ist auch ein Grund dafür, dass die deutsche Abfallwirtschaft in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Branchen die größte spezifische Treibhausgas-Minderung erreichen konnte.

In die bis 2005 aktiven Einbaubereiche wurde der angelieferte Müll verdichtet eingebaut, abschließend mineralisch abgedeckt und begrünt. Gemäß der bundesweiten Deponieverordnung, die im Übrigen immer wieder fortgeschrieben und dadurch auch meist strenger wird, muss Müll „eingekapselt“ werden. Somit muss also neben der ohnehin vorhandenen Abdichtung nach unten ins Erdreich auch nach oben abgedichtet werden. Durch diese sehr aufwändige Maßnahme wird das Eindringen von Sickerwasser und Gasemissionen verhindert. Bereits seit rund einem Jahr sind verschiedene Spezialunternehmen mit dieser großen Aufgabe beschäftigt: Nach einer Bauzeit von rund 2 Jahren wird eine Fläche von 3,5 ha oberflächenabgedichtet sein. Die Gesamtkosten sind mit über 3 Mio. Euro veranschlagt. Abgedeckt werden hier ca. 1,3 Mio. Kubikmeter verdichteter Müll, der sich über die Jahre zu einem rund 20 m hohen abgedeckten Berg aufgetürmt hatte.

Die Deponie ist mit Sickerwasser-Sammelleitungen ausgestattet: Das anfallende Sickerwasser wird in der Sickerwasser-Aufbereitungsanlage gereinigt und über eine Druckleitung in Kläranlage nach Buchen gepumpt. Der aufkonzentrierte „Rest“ gelangt mit Tanklastern zu Spezialfirmen. Genauso wird über ein Gasleitungssystem vorhandenes Deponiegas abgesaugt und in einem Gasmotor verstromt. Da aber seit fast 10 Jahren kein organisches Material mehr abgelagert wird, fällt auch immer weniger Gas an. Vor diesem Hintergrund wurde der Gasmotor bereits einmal durch einen kleineren Motor ersetzt. Der wiederum auch einen Beitrag zum Umweltschutz leistet: Mit einer jährlichen Ausbeute von rund 700.000 kWh Strom wird hier elektrische Energie für umgerechnet 700 Einwohner geliefert.

Ganze acht verschiedene Schichten sind für die Oberflächenabdichtung einer Deponie notwendig: Auf die bisher vorhandene mineralische Abdeckung folgt eine Gasdrän- und Stützschicht aus aufbereiteter Müllverbrennungsschlacke, die aufgrund ihrer Schwarzanthrazitfarbe an einen Lanzarote-Strand erinnert. Die darauf folgende feine mineralische Auflageschicht bildet das Bett für die weiße Geosynthetische Tondichtungsbahn (GTD), eine Art dichtes Flies. Darauf kommt die extrem stabile schwarze Kunststoffdichtungsbahn (KDB), die 2,5 mm stark und wasser- und gasdicht ist. Zum Schutz dieser Bahn von oben folgt ein weißes Schutzflies, dann eine Entwässerungsschicht aus Kies, danach ein weiteres Schutzflies. Zum Schluss folgt ein 2,5 Meter starker Rekultivierungsboden, der dann am Ende bepflanzt werden soll.

Dieser Aufwand lässt erahnen, dass es hier deutschlandweit nur sehr wenige Spezialfirmen gibt, die über das notwendige Knowhow verfügen. Die Überwachung und Dokumentation der erledigten Arbeiten nimmt einen sehr wichtigen Platz – überwacht durch die Aufsichtsbehörde, dem Regierungspräsidium in Karlsruhe - ein. Die ausführende Baufirma, im Übrigen aus Oberstdorf im Allgäu, hat für die sogenannte „Eigenüberwachung“ ein externes Ingenieurbüro beauftragt. Für jedes weitere Gewerk sind für die externe Fremdüberwachung weitere Fachleute und Prüfer vor Ort. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass bei komplizierten Arbeiten wie der Verschweißung der schwarzen KDB mehr Prüfer als Handwerker zu Gange sind. Hier werden beispielsweise die parallel verlaufenden Nähte – die Verbindung der aneinander anstoßenden Bahnen wird mithilfe eines speziellen Schweißgerätes mit rund 300 °C Arbeitstemperatur durchgeführt – durch einen Überdruck von 5 bar im „Schweißkanal“ auf Dichtigkeit geprüft. Mit dabei waren also neben den Prüfern für das Material die Prüfer für die Ausführung der Schweißnähte, über allem „schwebte“ das Regierungspräsidium. Dieser Schichtaufbau wurde nun auf einem rund 15 m breiten und 30 m langen Versuchsfeld aufgebaut und kontrolliert.

Dieser Tage informierten sich Landrat Dr. Achim Brötel und Kreiskämmerer Michael Schork (2. und 3. von links) über die umfangreichen Bauarbeiten aus der Deponie Sansenhecken, die von AWN-Geschäftsfürer Dr. Mathias Ginter, Deponieleiter Hubert Kieser und technischem Leiter Harald Schäfer (von links) erläutert wurden.

Unsere Bilder von links nach rechts

Die ca. 5 m breite und 2,5 mm starke schwarze Kunststoffdichtungsbahn (KDB) wird mit schwerem Gerät auf der weißen Geosynthetische Tondichtungsban (GTD) ausgerollt.

Rund 3,5 ha Deponieoberfläche sollen abgedichtet werden.

Die 2,5 mm starke Kunststoffdichtungsbahn (KDB) wird mit rund 300 °C verschweißt. Anschließend prüft man den Schweißkanal mit einem Überdruck von 5 bar auf Dichtigkeit.

Hier ist der komplette Aufbau (fast) zu sehen: Nach den beiden anthrazitschwarzen mineralischen Schichten (grob und fein) folgt die weiße Geosynthetische Tondichtungsban GTD (nicht zu sehen), danach die Kunststoffdichtungsbahn (KDB), Schutzflies, Entwässerungsschicht aus Kies, ein weiteres Schutzflies und als Abschluss ein 2,5 m starker Rekultivierungsboden für die Bepflanzung.

Information vor Ort: AWN-Geschäftsführer Dr. Mathias Ginter, Landrat Dr. Achim Brötel, Kreiskämmerer Michael Schork, Deponieleiter Hubert Kieser und technischer Leiter Harald Schäfer.

 
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