Montage einer PV AnlageFachgespräch Energiewende macht deutlich: Attraktive Renditen möglich

2016-10-20. Buchen. Lohnt es sich trotz niedriger Einspeisevergütung, eine Photovoltaikanlage auf das eigene Dach zu bauen? Und wann ist es sinnvoll, auch noch einen Energiespeicher anzuschaffen? Das waren die zentralen Fragen, die rund 40 Interessierte auf Einladung der Energie-Agentur Neckar-Odenwald-Kreis (EAN) und des Klimaschutzmanagers des Kreises, Sebastian Randig, in den Tagungsraum der AWN in Buchen zum Fachgespräch Energiewende gelockt hatten.

„Schauen Sie einfach mal auf Ihre Stromrechnung, wie viel Sie für eine Kilowattstunde bezahlen“, forderte zum Einstieg Michael Vogtmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie die Zuhörer auf, „und vergleichen Sie dann, was eine Kilowattstunde von Ihrer eigenen Photovoltaikanlage kosten würde.“ Dass die Kilowattstunde Strom in einem Privathaushalt rund 25 Cent je nach Anbieter und Vertrag kostet, war schnell Konsens im Saal. Die selbst produzierte und selbst verbrauchte Kilowattstunde vom eigenen Dach schlägt dagegen, je nach Anlagengröße, nur mit ca. 10-13 Cent/KWh zu Buche. Den Überschussstrom, den man nicht selbst verbraucht und ins Netz eingespeist, wird aktuell mit 12,31 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Diese Einspeisevergütung ist auf 20 Jahre garantiert.

In der Vergangenheit hatte man unter den Rahmenbedingungen des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) auf Netzeinspeisung von Solarstrom gesetzt. Die EEG-Vergütung gewährte die notwendigen Sicherheiten der Finanzierung und galt vielen als wirtschaftlich attraktives Förderinstrument. 2012 wurde die Förderung jedoch rapide gesenkt, die Reduktion der Anlagenkosten konnte nicht mehr mit der Degression der Vergütungssätze Schritt halten. Ein Lösungsansatz seien deshalb, so der Vogtmann, vor allem Konzepte rund um die Eigenversorgung mit Solarstrom.

Bei Anlagenkosten von rund 1500 Euro pro Kilowatt installierter Leistung könne günstig erzeugter Solarstrom oftmals teuren Netzbezugsstrom ersetzen. Die Rechenbeispiele aus der Praxis zeigten: Bei einer angenommenen jährlichen Strompreissteigerung von moderaten zwei Prozent ließen sich mit einer PV-Anlage durchaus Renditen von sechs Prozent erzielen. Um die Rendite und den Aufwand als PV-Anlagenbetreiber für den individuellen Fall auszuloten, empfiehlt Vogtmann das passende steuerliche Betreiberkonzept zu prüfen. 

Dass Anlagen, die mit 100%iger Netzeinspeisung betrieben werden, bereits gute Renditen versprechen, ergeben die Wirtschaftlichkeitsprognosen des Experten: Mit zusätzlichem Eigenverbrauch des Solarstroms können diese positiven Werte - je nach Eigenverbrauchsquote und eingespartem Strombezugspreis - noch weiter verbessert werden. Die Amortisationszeit des Eigenkapitals liege bei steuervorteilhafter Gestaltung bei 1 bis 5 Jahren.

Doch sind Photovoltaikanlagen keine Investition, die sich bereits nach drei Jahren amortisiert. Mit Garantiezeiten von 20 Jahren auf die Module sollte man die Investition auf längere Zeit betrachten – und damit sogar als eine Art Altersvorsorge oder Zusatzeinkommen ansehen. Das Ziel, einen hohen Anteil des selbst produzierten Stroms direkt vor Ort zu verbrauchen und damit besonders stark Strombezugskosten zu sparen, könne man mit einem bewussten Umgang mit Verbrauchern fördern. „Waschmaschine und Spülmaschine schalten Sie idealerweise ein, wenn die Sonne scheint“, erklärte Vogtmann, „damit erreicht man durchaus Einiges“.

Eigenstromkonzepte führten zu kleineren Anlagen

Deshalb empfiehlt Vogtmann: „Im Einfamilienhaus sollte das Maximum 10 kWp (ca. 80qm), sofern die Anlage zur Eigenversorgung genutzt wird, denn bis zu dieser Anlagengröße muss keine Eigenverbrauchs-EEG Umlage gezahlt werden. Und nach Möglichkeit sollte auch die Anschaffung eines Speichers in Erwägung gezogen werden, da in Verbindung mit einer verhältnismäßig hohen Generatorleistung eine hohe Auslastung der Speicherkapazität erreicht wird.“

Doch wann ist es wirtschaftlich, einen Stromspeicher zur neuen oder aber auch bei einer älteren PV-Anlage anzuschaffen? Die Preisentwicklung der Speicher ist ähnlich wie bei den PV-Anlagen. Kostete die Kilowattstunde Speicherkapazität noch vor einiger Zeit 3000 Euro, so gäbe es heute schon Speichersysteme für 1400 Euro (netto) pro Kilowattstunde.

Nach heutigem Wirtschaftlichkeitsstand rentiere sich ein Speicher bereits ab einem Stromverbrauch von ca. 3500 Kilowattstunden pro Jahr. Amortisiert hätte er sich nach etwa 20 Jahren. Zudem helfe er durch den Direktverbrauch die Netze auf der Verteilebene zu entlasten. Auch ein dazu von der Bundesregierung aufgelegtes Speicherförderungsprogramm in Kombination mit einem KFW-Kredit können in Anspruch genommen werden. Wie hoch der Autarkiegrad ausfallen würde, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Einen schnellen Überblick könne folgender kostenloser Rechner geben: www.pvspeicher.htwberlin.de/unabhaengigkeitsrechner.

Bereits am Nachmittag hatten die Solarstrom Fachbetriebe aus der Region die Gelegenheit, sich im Rahmen eines Halbtagsseminares zum EEG 2017 und weiteren aktuellen regulatorischen Themen zu informieren. Im Anschluss an den Abendvortrag von Michael Vogtmann gab es für die Teilnehmer die Gelegenheit zum Austausch mit regionalen Anlagenanbietern.

Tipp: Anlage noch dieses Jahr errichten

Vogtmann wies auf Vorteile einer Inbetriebnahme der Anlagen zu Jahresanfang hin: „Bauen Sie Ihre PV-Anlage noch in diesem Jahr, nehmen Sie diese dann Anfang nächsten Jahres in Betrieb. So profitieren Sie von 21 garantierten Förderjahren. Die EEG-Förderung wird gesetzlich für 20 Jahre zuzüglich den Monaten des Inbetriebnahme-Jahres gewährt. Niedrige Modulpreise ermöglichen derzeit selbst bei vollständiger Netzeinspeisung des Solarstroms wieder einen wirtschaftlichen Betrieb von Photovoltaikanlagen, so Vogtmann. Das eingesetzte Kapital käme bei funktionstauglichen Anlagen über EEG-Förderung garantiert zurück. Nach wie vor sollte dabei eine hohe Eigenversorgung mit Solarstrom angestrebt werden, zumal sich über eingesparte Bezugsstromkosten die Wirtschaftlichkeit weiter verbessern lasse.

(Bildrechte bei EAN)

 
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