Mosbach. Wie sieht Klimapolitik aus, wenn junge Menschen das Ruder übernehmen? Das zeigte die bereits im dritten Jahr durchgeführte Klima-Projektwoche an der Ludwig-Erhard-Schule (LES) in Mosbach letzte Woche. Diese fand erneut in enger Zusammenarbeit mit der Kreislaufwirtschaft Neckar-Odenwald AöR (KWiN) und der Energieagentur Neckar-Odenwald-Kreis (EAN) statt. Herzstück des Formats: Die „Climate Action Simulation“, ein Planspiel, das den UN-Weltklimagipfel beeindruckend realitätsnah auf den Schulcampus holte.
Schülerinnen und Schüler auf der Weltbühne
Rund 50 Elftklässler des Wirtschaftsgymnasiums schlüpften in Rollen, die sonst auf dem diplomatischen Parkett beheimatet sind: Staatschefs, Klimaaktivisten, Wirtschaftsvertreter und viele mehr. Sie tauchten damit tief ein in die Mechanismen internationaler Klimapolitik – mit all ihren Zielkonflikten, Machtfragen und Kompromisslinien.
Fundiertes Know-how für harte Verhandlungen
Bevor die große Konferenz startete, stand intensiven Wissens‑Tuning auf dem Programm. In Workshops, Präsentationen und Videoanalysen durchdrangen die Jugendlichen die Themen Klimawandel, Lobbyismus, politische Entscheidungswege und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dabei wurde schnell klar: Wer über Klimapolitik verhandelt, braucht nicht nur Faktenwissen, sondern auch Strategie, Verhandlungsgeschick und ein Gespür für globale Zusammenhänge.
Delegierte einigen sich auf 1,9-Grad-Ziel
Im Planspiel selbst drehte sich alles um die zentrale Frage: Wie lässt sich die Erderwärmung wirksam bremsen? Ohne Gegenmaßnahmen könnten die Temperaturen laut Klimaforschung bis 2100 um 3,3 Grad steigen – weit entfernt vom internationalen Ziel, die Erwärmung möglichst unter 2 Grad zu halten.
In mehreren Verhandlungsrunden diskutierten die Schülerinnen und Schüler Maßnahmen aus Bereichen wie Energieeffizienz, erneuerbare Energien, CO₂-Bepreisung und Wirtschaftsentwicklung. Die Konferenzleitung – dargestellt von den KWiN‑Beraterinnen Susanne Wirtz und Claudia Arlt – führte mit wissenschaftlicher Expertise und diplomatischem Geschick durch die Debatte.
Das Ergebnis beeindruckte: Die ausgehandelten Maßnahmen hätten rechnerisch zu einer Begrenzung der Erwärmung auf 1,9 Grad geführt – ein beachtlicher Erfolg, der zeigt, wie lösungsorientiert die Jugendlichen agierten.
Vom Weltklima zum Alltag: Nachhaltigkeit zum Anfassen
Am Abschlusstag rückte die Frage in den Fokus, was nachhaltiges Handeln konkret vor Ort bedeutet. Die KWiN‑Expertinnen erklärten anschaulich, wie Abfalltrennung, Kreislaufwirtschaft und Recycling im Neckar‑Odenwald‑Kreis funktionieren – und welche CO₂‑Einsparungen dadurch möglich sind.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit: Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und bewusster Konsum. Denn Klimaschutz beginnt dort, wo jede und jeder selbst handeln kann – in Schule, Haushalt, Unternehmen oder Kommune.
Eine Bildungsoffensive, die wirkt
Die KWiN setzt zusammen mit EAN-Leiter Uwe Ristl seit Jahren auf vielfältige Bildungsformate, um junge Menschen für Klima‑, Energie‑ und Abfallthemen zu begeistern. Die enge Partnerschaft mit der Ludwig‑Erhard‑Schule spielt dabei eine Schlüsselrolle. Regelmäßig durchgeführte Projektwochen ermöglichen es, Inhalte weiterzuentwickeln und immer passgenauer auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abzustimmen.
So fiel dann auch das Feedback am Ende der Woche eindeutig aus: Die Mischung aus Wissen, Praxisnähe und realitätsnahen Verhandlungen hat die Jugendlichen begeistert – und viele zu neuen Ideen motiviert. Schulleiter Ralf Trabold betonte: „Diese Projektwoche ist aus unserem Schuljahr nicht mehr wegzudenken. Unsere Schülerinnen und Schüler erleben politische Prozesse nicht nur theoretisch, sondern hautnah.“
Auch KWiN‑Vorstand Sebastian Damm zeigte sich beeindruckt: „Der Einsatz der Schülerinnen und Schüler war großartig. Sie haben das Planspiel mit Leben gefüllt und entscheidend zum Erfolg beigetragen.“
Eine Fortsetzung des Formats im Jahr 2027 ist bereits fest eingeplant.
