Klimaschutzorientiertes InvestitionsprogrammInterkommunaler Erfahrungsaustausch Klimaschutz am Beispiel Straßen- und Innenbeleuchtung

2016-10-07. Es gibt sie tatsächlich noch, die richtigen „Win-win-Geschäfte“: Man nimmt Geld in die Hand und nach einiger Zeit profitiert von dieser Investition nicht nur der eigene Geldbeutel, sondern auch die Umwelt! Die Rede ist von der Modernisierung von Kommunaler Straßen- und Innenbeleuchtungen. Wer erinnert sich nicht an die klassische Glühbirne, die bis vor wenigen Jahren großflächig zum Einsatz kam. Im Vergleich dazu ermöglicht die Kompaktleuchtstofflampe bereits Energieeinsparungen von rund 70%.

Mit der LED-Technologie, die durch technische Entwicklung und der damit einhergehenden Kostenreduktionen in den letzten Jahren in den Fokus gerückt ist, lässt sich demgegenüber eine weitere Halbierung des Strombedarfs, also Einsparungen von 85% und mehr im Vergleich zur klassischen Glühbirne erzielen. Um über diese Themen zu informieren und den Austausch zwischen den Kommunen des Kreises anzuregen, hatte in der vergangenen Woche der Klimaschutzmanager (KSM) des NOK, Sebastian Randig, Kommunenvertreter zum Interkommunalen Erfahrungsaustausch Klimaschutz zur AWN nach Buchen eingeladen. Viele Bürgermeister und Bauamtsvertreter waren der Einladung gefolgt und konnten so zahlreiche Anregungen mit nach Hause nehmen.

Randig gab zu Beginn einige Erläuterungen über das Klimaschutzorientierte Investitionsprogramm des NOK (KSI), das im Mai 2014 im Kreistag vorgestellt wurde. Das große Ziel, der Null-Emissions-Landkreis, könne nur gemeinsam und mit allen Beteiligten, von den Bürgern über das Gewerbe bis hin zu den Kommunen, erreicht werden. Im KSI, erstellt vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) vom Umwelt-Campus Birkenfeld, werden für die Kommunen des Kreises einige Handlungsmöglichkeiten z.B. zu den Themen Beleuchtung, klimafreundliche Abwasserbehandlung und kommunales Gebäudemanagement aufgezeigt. Die Aufgabe des KSM sei es nun, möglichst viele Klimaschutzprojekte anzustoßen.

Welche Chancen und Herausforderungen im Technologiewechsel zur LED als Lichtquelle in der Straßen- und Innenbeleuchtung liegen, war das zentrale Thema der Ausführungen von Sven Beck (IfaS), Experte für Energieeffizienz: „Mit LED steht eine Technologie bereit, die für fast jede Situation die passende Beleuchtung ermöglicht – und das bei niedrigem Energieverbrauch und langer Lebensdauer.“ Weitere Vorteile seien die Vielzahl an Formen, Lichtfarben und Designs sowie der geringere Insektenanflug. Es gebe allerdings auch Schattenseiten: Aufgrund der noch fehlenden Normierung ergebe sich eine Herstellerabhängigkeit und die Qualitätsunterschiede seien noch ziemlich groß. Ein Thema sei laut Beck auch die angegebene Lebensdauer: Aus der Praxis wisse man, dass diese oftmals nicht eingehalten werde - insbesondere auch deshalb, weil eine lange LED-Lebensdauer nichts nütze, wenn die vorgeschaltete Elektronik den Geist aufgebe. Im Innenbereich sollte man unbedingt auf die passende Lichtfarbe achten. Intelligente Regelungstechnik helfe, Tageslicht mit einzubinden und dadurch zusätzlich Strom zu sparen. Unterm Strich jedoch sei eine Umstellung sowohl im Innen- als auch im Außenbereich sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll. Die durchschnittliche Amortisierungsdauer bei Straßenbeleuchtungen liege z. B. bei rund sechs bis acht Jahren, im Innenbereich spreche man von acht bis zwölf Jahren. Der Austausch eines herkömmlichen Leuchtmittels wie Quecksilberdampflampe gegen moderne LED-Technologie in das „alte“ Gehäuse haue jedoch in den meisten Fällen nicht hin: Das so genannte „Retrofit“ scheitere meist an thermischen Problemen und die Ausleuchtung sei meist ebenso nicht zufriedenstellend.

Elmar Grein, Lichtspezialist und Innenarchitekt des Walldürner Unternehmens Licht-Concept GmbH, lieferte anschließend ein Praxisbeispiel einer LED-Lichtsanierung der Realschule in Buchen. Neben der Einbindung von Tageslicht helfen hier Präsenzmelder, Strom zu sparen. Das Licht gehe aus, wenn länger als fünf Minuten niemand im Raum sei. Auch Grein verwies darauf, dass die vorhandene Lichtqualität wie „weich“ oder „hart“ und vor allem auch die Lichtfarbe eine wichtige Rolle spielten.

Besonders wichtig war für die Kommunenvertreter aber auch, wie Klimaschutzmaßnahmen unterstützt werden können und wer der jeweilige Ansprechpartner ist. Greta Link vom Deutschen Institut für Urbanistik informierte in ihrem Vortrag über Richtlinien zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen. Seit 2008 wurden rund 3000 Kommunen in rund 9000 Projekten dabei unterstützt, Klimaschutzmaßnahmen vor Ort umzusetzen um Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Die Förderungsmöglichkeiten sind, das konnte man anhand der Zahlen sehen, beträchtlich und gehen je nach Vorhaben von 20 bis 65%. Entsprechendes Informationsmaterial wurden von Greta Link zur Verfügung gestellt.

Der Workshop schloss mit einem gemeinsamen Mittagessen. Die Teilnehmer nahmen, so die einhellige Meinung, eine Menge Anregungen mit nach Hause. Besonders wertvoll sind diese Treffen auch deshalb, weil Praxiserfahrungen unter den Kommunen direkt ausgetauscht werden können. Klimaschutzmanager Randig versicherte, dass es in regelmäßigen Abständen weitere Workshops zu verschiedenen Themen des Klimaschutzes geben werde.

 
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